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Zazen plus Studium

Samu-Sesshin in Eisenbuch 3.9. – 8.9.2019

Zen für Junge Leute 3. – 8. 2019

Wochenend-Sesshin 12.9. – 15.9.2019

Was ist ZEN?

Was ist ZEN?                                                  von Ichido

Antworten hierauf können sich recht unterschiedlich anhören, denn „Zen“ lässt sich nicht definieren wie „Tisch, „Politik“ oder „Impressionismus“. Wohl findet man im Lexikon Aussagen zum Begriff „Zen“, und dies sind hilfreiche Fingerzeige, doch erfasst werden, was Zen ist, kann damit nicht – denn nicht einmal ein „Begriff“ ist Zen.

Was ist Zen nicht? Es ist keine Religion im Sinne eines kodifizierten Lehrgebäudes, etwa mit Katechismus. Es ist weder eine Therapie noch eine Methode, um ein an einem Endpunkt liegendes Ziel zu erreichen, noch eine bloße Philosophie. Zen ist keiner religiösen Tradition unterzuordnen, nicht einmal der buddhistischen, obschon Zen – in China im 6./7. Jahrhundert – auf dem Boden der Lehre des Buddha entstanden ist und gewöhnlich als einer der 3 Hauptzweige des Buddhismus (Theravada, Tibetischer Buddhismus, Zen) gesehen wird.

Zen ist mehr: Es ist ein Wort für die Große Ordnung, für die universelle Wurzel der Spiritualität, die von uns erfahren werden soll und unser ganzes Sein umfasst. Das Zazen (oft übersetzt mit „Sitzen in der Versenkung“) ist die Hauptpraxis des Zen-Weges. Diese Sitzmeditation ist nicht zweckgerichtet auf ein zu erreichendes Ziel (Kodo Sawaki Roshi: Zen ist zu nichts nutze…). Vielmehr ist sie Ausdruck der uns eigenen „Würde des Seins“ (Nakagawa Roshi), sie aktualisiert unsere Erhabenheit und die uns innewohnende Buddha-Natur (im Christentum: Wir sind Kinder Gottes). Wir bemühen uns, sie nicht nur im Zazen, sondern auch in jedem Augenblick unseres Alltagslebens zu aktualisieren. Die Würde und Erhabenheit geht auch nicht verloren, wenn wir sie mit allerlei Fehlverhalten beflecken. Die Zen-Übung ist ein lebenslanger Weg, der Selbsterkenntnis und Klarblick, große Freude, Dankbarkeit und inneren Frieden durch sich selbst hervorbringt.

F.S. Nakagawa Roshi (Abt des Zenklosters Daihizan Fumonji in Eisenbuch) sagt so: Im Zen geht es um die Wurzel der Existenz des Menschseins, um die Verwirklichung des Selbst, um das Aufwachen zur Vollkommenheit der eigenen Existenz im Hier und Jetzt. Dabei ist Zen beziehungsweise Zazen – das „Sitzen in Versenkung“ – kein Mittel, um etwas von uns Gewünschtes zu erreichen. Es ist vielmehr eine Vergegenwärtigung oder Realisierung der Wirklichkeit des eigenen Lebens und der gesamten Welt. Insofern ist Zen in der Tat keine Religion im herkömmlichen Sinne, und dennoch ist es tief erlebte religiöse Praxis.“ (aus: Zen – weil wir Menschen sind. S. 54)

In der Zenpraxis geht es um uns selbst. Durch uns selbst in der Praxis sollen wir uns selbst in uns selbst finden, oder: unser wahres Wesen erkennen. Der große Zenmeister Dogen Zenji (1200 – 1253) sagt: Den Buddha-Weg erlernen heißt, sich selbst erlernen. Sich selbst erlernen heißt, sich selbst vergessen. … (Shobogenzo, Genjokoan). An seinem und dem Beispiel aller großen Meister können wir sehen: „Sich selbst erlernen“ bedeutet die Entwicklung von Liebe und Mitgefühl für alle Wesen. Diese Weisen haben unmittelbar erfahren, nicht abtrennbarer Teil des großen Ganzen zu sein. Mit dieser Erfahrung wirken sie in der Welt auf heilsame Weise. Sie haben mit dem ganzen Herzen erkannt: Wenn wir andere Lebewesen verletzen, verletzen wir uns selbst.

Nakagawa Roshi: Die Zazen-Übung ist auf den Ursprung des Zen, auf den Koordinatenursprung des Buddhalehre, das heißt, auf die religiöse Dimension des Mensch-Seins überhaupt zurückzuführen. (…) Aus einer solchen Übungsweise wird eine Antwort auf die Frage auftauchen, wie wir in dieser verworrenen Zeit weiterkommen sollen. Ich sehe die Antwort in der Aufforderung zur Aufrichtigkeit bei jedem einzelnen und bei der Menschheit insgesamt. Die Wege zur Lösung der Probleme in der Welt, an einem Ort, an einer Arbeitsstelle oder in einer Familie bestehen genau darin, das eigene Selbst zu lernen und zu vertiefen – im eigenen Selbst die wahre Gestalt der heutigen verwirrten Welt und im Zazen die wahre Gestalt des eigenen Selbst zu finden. (aus: Die Allgemeingültigkeit der Zazen-Übung)

Panca-Shila – die 5 Übungen der Achtsamkeit

Erste Übung:

Im Bewusstsein des Leidens, das durch die Zerstörung von Leben verursacht wird, will ich mitfühlende Zuwendung üben und Wege finden, um das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen zu bewahren. Ich bin entschlossen, nicht zu töten, andere nicht töten zu lassen und in meinem Denken und meiner Lebenshaltung keinen Akt des Tötens in der Welt herunterzuspielen oder zu billigen.

Zweite Übung:

Im Bewusstsein des Leidens, das durch Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit,Diebstahl und Unterdrückung verursacht wird, bin ich zur Entwicklung von liebender Güte entschlossen und möchte Wege finden, dem Wohlergehen von Menschen, Tieren und Pflanzen zu dienen. Ich möchte Freigiebigkeit üben, indem ich meine Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen teile, die es brauchen. Ich werde das Eigentum anderer respektieren und wenn immer möglich andere davon abhalten, sich auf Kosten menschlichen Leidens und des Leidens anderer Lebewesen zu bereichern.

Dritte Übung:

Im Bewusstsein des Leidens, das durch sexuelles Fehlverhalten verursacht wird, bin ich zur Entwicklung von Verantwortungsgefühl entschlossen und möchte Wege finden, die Sicherheit und Unversehrtheit von Einzelnen, Paaren, Familien und der Gesellschaft zu schützen. Ich bin entschlossen, keine sexuellen Beziehungen ohne Liebe und eine langfristige Absicht einzugehen sowie meine Verpflichtungen und die der anderen zu achten. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen.

Vierte Übung:


Im Bewusstsein des Leidens, das durch unachtsame Rede und die Unfähigkeit anderen zu-zuhören verursacht wird, bin ich zur Entwicklung von einfühlsamer Rede und tief mitfüh-lendem Zuhören entschlossen. Da ich weiß, dass Worte Glück oder Leiden verursachen können, möchte ich lernen, Worte zu gebrauchen, die zu Selbstvertrauen, Freude und Hoffnung anregen. Ich bin fest entschlossen, die Wahrheit zu sagen und keine Neuigkeiten zu verbreiten, derer ich mir nicht sicher bin. Ich werde nichts kritisieren oder verwerfen, über das ich nicht genau Bescheid weiß. Ich werde alles unternehmen, um Konflikte – wie gering sie auch immer sein mögen – zu schlichten und zu lösen.

Fünfte Übung:

Im Bewusstsein des Leidens, das durch unachtsamen Konsum verursacht wird, bin ich ent-schlossen, gute körperliche und geistige Gesundheit für mich selbst, meine Familie und die Gesellschaft zu entwickeln, indem ich mich in achtsamem Essen, Trinken und Konsumieren übe. Ich bin entschlossen keine Mittel zu mir zu nehmen, die meine Praxis behindern. Indem ich ein maßvolles Leben führe, will ich an der Umwandlung von Gewalt, Furcht, Wut und Verwirrung in mir selbst und in der Gesellschaft arbeiten.