Aktuelles

28.10 – 2.11.2021
Samu-Sesshin
mit 5-Shila-Initiation und Sanghabeitritts-Zeremonie
mit Nakagawa Roshi
„Samu-Sesshin“: Morgen und abends Zazen, Vorträge, tagsüber etwa 6 Std. Arbeit und andere Angebote
Offen für alle.

Texte zum Abend-Zazen am Donnerstag

Do, 4.11.2021

„…Wenn jemand deshalb auch nur einen Augenblick lang übt, tritt Zazen in die spirituelle Gemeinsamkeit mit allen Dharmas, durchdringt alle Zeiten und vollendet im grenzenlosen Universum das ewige Werk Buddhas in der Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Für jeden ist es das gleiche Üben und die gleiche Erfahrung. Das Üben beschränkt sich nicht nur auf das Sitzen, es durchdringt den Raum und hallt wider, ähnlich wie der wunderbare Klang einer Glocke vor und nach dem Anschlagen klingt. Wie könnte sich das Üben nur auf diesen Ort beschränken? Alle Dinge haben diese ursprüngliche Praxis als ihr Ur-Angesicht: Es ist jenseits unseres verstandesmäßigen Begreifens. …“

Dogen Zenji: Shobogenzo. Kap. Bendowa. Kristkeiz Verlag 2001. S. 30 f.

Do, 21.10.2021

„In einem einzigen Atom findest du alle Elemente der Erde,
ein einziger Tropfen Wasser beinhaltet alle Geheimnisse des Ozeans,
und in einer einzigen Regung des Geistes findest du die Bewegung sämtlicher Lebensgesetze.“

Khalil Gibran

Do, 14.10.2021

„Früher versuchten japanische Mütter ihre Sprösslinge zu bändigen, indem sie sagten „wenn du nicht brav bist, wird ein Gespenst kommen“ oder „ein Kidnapper wird dich holen“. Ich kann mich daran erinnern, als Kind selbst so zurechtgewiesen worden zu sein. Eine Spiritualität, die sich auf den Glauben stützt, geht ähnlich vor und versucht, Menschen zu führen, indem sie bestimmte Bilder und Ideen heraufbeschwört. Andererseits führt uns Spiritualität, die sich auf Erfahrung gründet, die Menschen dadurch zum Frieden, dass sie die Wirklichkeit klar erkennen und so ihre Furcht verlieren.
Verblichenes Pampasgras –
mehr war es nicht,
das Gespenst, das ich sah. „

Koun Yamada: das Tor des Zen. 2016. S. 31

Do, 23.9.2021

„Derjenige, der Zen studiert, findet sich einem Meister gegenüber, der selbst Erleuchtung erfahren hat und im wahrsten Sinn ein vollständig natürlicher Mensch ist. Denn der Zenadept ist jemand, der es fertig bringt, mit derselben ungekünstelten Anmut und dem Nichtvorhandensein innerer Konflikte Mensch zu sein wie ein Baum ein Baum ist. Ein solcher Mensch ist vergleichbar mit einem Ball in einem Bergbach, womit ich sagen will, dass er durch nichts aufgehalten, gebremst oder gestört werden kann. Niemals ist er wankelmütig oder unschlüssig, denn wenn er selbst in der Bewegung innehalten mag, um ein Problem zu überdenken, bewegt sich sein Bewusstseinsstrom ständig vorwärts, ohne sich in den Teufelskreisen von Angst oder Zweifel zu verfangen, in Zuständen, in denen Gedanken stets ausweglos umherwirbeln. Er ist in seinem Tun nicht überstürzt oder hastig, sondern ganz einfach kontinuierlich. Das ist es, was im Zen losgelöst genannt wird – nicht ohne Emotionen oder Gefühle sein, sondern so zu sein, dass Gefühle nicht blockiert werden und die Erfahrungen dieser Welt ungehindert hindurchfließen können wie das Spiegelbild eines Vogels, der über das Wasser zieht. Obwohl von völligem inneren Friedsen erfüllt, ist er nicht wie der Freigeist in ständiger Revolte gegen soziale Strukturen, noch wie der Selbstgefällige dem Versuch verhaftet, sich selbst zu rechtfertigen. Er ist eins mit sich selbst und der Welt der Natur, und in seiner Gegenwart fühlt man, dass er ohne Mühe oder Künstlichkeit vollständig „ganz da “ ist – selbstsicher ohne die geringste Spur von Aggression.“

Alan Watts: Dies ist es.1981, S.60 f.

Do, 16.9.2021

„Mit dem Intellekt sind wir zu Mitschöpfern geworden. Wenn sich der Intellekt von unserem tiefsten Wesen, unserem transzendenten Sein isoliert, führt er in den Untergang unserer Spezies.“

Zenmeister Pater Willigis Jäger in: In jedem Jetzt ist Ewigkeit. 2003, S.111

Do, 9.9.2021

„Wegen des Fingers kannst du den Mond zeigen.
Wegen des Mondes kannst du den Finger verstehen.
Mond und Finger sind weder verschieden,
noch sind sie gleich.
Dieses Bild wird nur gebraucht,
um Schüler zur Erleuchtung zu führen.
Wenn du einmal wirklich die Dinge siehst,
wie sie sind,
dann ist da kein Mond mehr
und kein Finger.“

Meister Ryokan in: Alle Dinge sind im Herzen. S. 35

Do, 2.9.2021

Alle Erlebnisse, die wir Menschen von Anbeginn machten und auch heute noch machen, setzen wir in Geschichten. Wir ordnen Erlebtes in Bekanntes ein, vergleichen es mit ähnlichen Erfahrungen und bauen damit Mauern auf, hinter denen wir glauben, das Leben zu verstehen, und vor allem, uns vor Leid und vielleicht sogar vor dem Tod schützen zu können.
Doch die Welt ist so unermesslich weit und unentwegt tut sich Neues auf, wir kommen mit unseren Geschichten nicht nach, alte Erzählungen belegen Neues, dienen nur noch als Kostüme. Diese Narrationen haben sich bis ins Körperliche hinein verfestigt. Sie zu lösen, von Ihnen frei zu werden, bedeutet, sie wirklich körperlich abzulegen, nicht mehr in Geschichten zu leben, sondern direkt zum Erleben zu werden und damit die Wirklichkeit unmittelbar zu erfahren. Das ist die Übung des Zen.

aus: Doris Zölls: Mumonkan – Sich selbst finden in den Weishaeiten alter Zen-Koans. 2019. S.14

Do, 19.8.2021

Der Große Weg führt nirgendwo hin,
und er ist auch kein Ort.
Halte daran fest,
und du verfehlst ihn um eine Meile;
„Dies ist Illusion, jenes ist Erleuchtung“,
das geht auch weit daneben.
Du verstehst es, die Theorien darzulegen
von „Existenz“ und „Nichtexistenz“.
Doch selbst wenn du vom „Mittleren Weg“ redest,
kann dich das in die Sackgasse führen.
Ich werde einfach meine wunderbaren Erfahrungen
für mich behalten.
Plappere über Erleuchtung,
und deine Worte werden restlos zerpflückt.

Meister Ryokan (1758 – 1831, Japan). Zit. nach: Meister Ryokan: Alle Dinge sind im Herzen. S.137

Do, 15.7.2021

Diese Offenheit, die entsteht, wenn wir den Dingen nicht unseren Stempel aufdrücken, bedeutet nicht, dass das Leben neutral ist, ich keine Empfindungen und Regungen mehr dem Leben gegenüber habe. In den Momenten, in denen die Welt der Formen nicht von mir bestimmt und festgeschrieben ist, erleben wir uns zutiefst getragen und aufgehoben in der sonst so oft von uns entgegengesetzten und feindlichen Welt. Jetzt erkennen wir, wer wir wirkloich sind, wir erleben uns als Ausdruck des Lebens, wir fühlen uns nicht mehr von einer Welle zur anderen geworfen, bedroht und ausgeschlossen, wir erleben das Eins-Sein mit allem. Die Angst vor der Vergänglichkeit und des Verlustes ist verschwunden. An ihre Stelle tritt das große Vertrauen, die uneingeschränkte Sicherheit, nicht verloren gehen zu können.

Doris Zölls: Disziplin als Anfang – der Zen-Weg zur Liebe. 2018. S. 152

Do, 1.7.2021.

Pater und Zenmeister Willigis Jäger:

Die Präsenz im Augenblick hat nichts zu tun mit Konzentration. In der Konzentration ist der Geist aktiv. Konzentration schneidet aus. Sie gleicht einem Messer, das ein Stück herausschneidet. Konzentration hat ein Objekt. Man konzentriert sich auf etwas. Präsenz im Augenblick ist reine Wachheit des Bewusstseins.

W.Jäger: In jedem Jetzt ist Ewigkeit. S. 123

Do. 24.6.2021

Fumon Nakagawa Roshi in einem Vortrag (Praxistage in Fumonji Eisenbuch, Mai 2005):

… Ich meditiere und möchte so klar kommen im Leben. Aber wie sollen wir klarkommen? Es fehlt nichts! Wir müssen nur bereit werden, der universellen Liebe in unserem Körper als Universum zu folgen, z.B. mit einer Tasse Tee unserem Körper dienen. Durch die Praxis des Atmens – Ein – Aus strömt es durch und durch in uns und durch uns in die ganze Welt. Jeder Atemzug kommt als der universelle Atem zu uns, immer und überall. Wenn du schläfst, atmet es, durch und durch. Das Ich-Bewusstsein ist nicht mehr da. Niemand wird sagen: Du atmest ja ganz falsch, wenn du schläfst. Der Alltag des Lebens kommt in Form von Ein und von Aus. Wir begegnen ständig uns selbst, wir begegnen ständig der Würde des Daseins, mal in uns, wenn wir Hunger haben oder aufs Klo müssen, mal in den Bäumen, mal so, mal so, jeden Augenblick. Dazu brauchen wir das Aufwachen zur Grundschönheit des Lebens, zur Grundwürde des Lebens in uns und um uns in der ganzen Welt. Natürlich, manchmal ist es so schwer, so schmerzhaft und hart, die Worte „Schönheit des Körpers, Schönheit der Welt“ anzunehmen. Wenn wir eine Behinderung oder dauernd Schmerzen haben, sollen wir trotzdem vorankommen auf geistiger, emotionaler und körperlicher Ebene. Wir müssen es annehmen lernen, annehmen, dass es so ist. Was möglich ist, wird gemacht, getragen. Das ist der Weg.

Do, 10.6.2021

Dogen Zenji lehrte:

Ein alter Weiser sagte: `Der Umgang mit guten Menschen ist wie Gehen durch Nebel und Tau; man wird zwar nicht nass, aber die Kleider werden immer feuchter.` Das bedeutet: Pflegst du vertrauten Umgang mit einem guten Menschen, so wirst du unmerklich selber gut.

In alter Zeit diente ein Junge dem Meister Gutei (9. Jh., China) und bemerkte nicht, wann er gelernt oder geübt hatte; er hatte dem Meister, der schon lange geübt hatte und reif war, als persönlicher Aufwärter gedient und verwirklichte deshalb den Weg.

Außerdem: Praktiziert ihr das Zazen nur lange genug, so werdet ihr die Große Sache urplötzlich klären, und dann werdet ihr erkennen, dass das Zazen das wahre Tor (zum Buddha-Dharma) ist.
(Eihei Dogen: Shobogenzo Zuimonki. II 16)

Do, 3.6.2021

Dogen Zenji:
Erreicht man den WEG mit dem Körper oder mit dem Geist? In den Lehrschulen heißt es , der WEG werde mit dem Körper erricht, da Körper und Geist eins sind. Allerdings kommt nicht klar heraus, dass wir den WEG mit dem Körper ereichen, wenn sie sagen, da Körper und Geist eins sind. Im Zen heißt es, dass sowohl der Körper als auch der Geist den Weg erreicht.
Solange wir nur mit unserem Verstand über das Buddha-Dharma nachdenken, erreichen wir den WEG niemals, auch nicht in tausend Leben oder zehntausend Äonen. Lassen wir unseren Verstand fahren und werfen unsere eigenen Ansichten und unser eigenes Verständnis weg, dann erreichen wir den WEG. Einem Weisen klärte sich der Wahre Geist (die Wirklichkeit), als er Pfirsichblüten sah, und ein anderer erwachte zum WEG, als er einen Dachziegel an einen Bambus schlagen hörte. Sie erreichten den WEG mit dem Körper. Wenn wir unsere Gedanken und Ansichten vollständig wegwerfen und Shikantaza (Zazen) praktizieren, gehen wir deshalb weiter auf dem WEG und werden auf diese Weise damit vertraut (..) Deshalb ermutige ich euch aus ganzem Herzen, Zazen zu üben.
(Eihei Dogen Zenji: Shobogenzo Zuimonki. II 26)

Do, 27.5.2021

Dogen Zenji:
Einer der Alten sagte: Gleichst du einer Person nicht, so sprich nicht über ihr Wesen. Das bedeutet: Siehst du jemandes Fehler, so denke nicht, er oder sie sei zwar gut, diese eine Handlung aber schlecht; kritisiere diese Person nicht darob, ohne ihre Tugenden zu kennen und zu verstehen; auch gute Menschen handeln manchmal schlecht. Nimm also nur ihre Tugenden wahr, nicht ihre Fehler. Das gleiche will der Spruch sagen, dass ein weiser Mensch die Tugenden, nicht die Fehler anderer übernimmt.
(Eihei Dogen Zenji: Shobogenzo Zuimonki. III 8)

Do, 20.5.2021

Byron Katie:
Für Menschen, die den Schmerz satt haben, gibt es nichts Schlimmeres, als zu versuchen, das zu kontrollieren, was sich nicht kontrollieren lässt. Wenn Sie nach wirklicher Kontrolle streben, geben Sie die Illusion der Kontrolle auf und überlassen sich dem Leben. Es macht sowieso mit Ihnen, was es will. Sie erzählen sich nur die Geschichte, es täte es nicht. Diese Geschichte kann niemals wahr sein. Sie haben weder das Wetter noch die Sonne oder den Mond erschaffen, Sie haben keine Kontrolle über Ihre Lungen oder Ihr Herz oder Ihre Fähigkeit zu sehen oder zu gehen. Im einen Augenblick sind Sie gesund und munter, im nächsten sind Sie es nicht. Wenn wir nach Sicherheit streben, leben wir sehr, sehr vorsichtig, und am Ende bleibt nichts von unserem Leben übrig. Ich sage gern: „Sei bloß nicht vorsichtig: Du könntest dir weh tun.“
(Mitchell, Stephen (Hg.): Byron Katie über Gesundheit, Krankheit und Tod. 2006. S. 13 f.


Do, 13.5.2021

Zenmeisterin Joko Beck:
…Es gibt keine schnellen Resultate. Die Arbeit, die wir auf dem Meditationskissen tun, ist manchmal sehr langweilig. Es ermüdet uns, unsere Gedanken zu benennen und immer wieder zu unseren Körperwahrnehmungen zurückzukehren. Diese Arbeit ist nicht sinnlos, aber sie nimmt viele Jahre in Anspruch. Wir sind störrisch, wir wollen die notwendige Mühe nicht aufbringen. Aber wenn wir das nicht tun, ist das Leben für uns und unsere Umgebung schwer. Trotzdem unterlassen wir oft die notwendige Arbeit.
Selbstaufgabe klingt exotisch; wir stellen uns Christus am Kreuz oder irgend etwas anderes Großartiges vor. Aber Selbstaufgabe ist meistens etwas sehr Einfaches und Grundlegendes. Sie geschieht jedes Mal, wenn wir sehen, dass unsere Gedanken kreisen, wenn wir sie benennen und unser kleines Selbst – das nur aus unseren Gedanken besteht – aufgeben und zu dem zurückkehren, was gerade geschieht. Wir kehren zur Wahrnehmung unseres Körpers zurück, zum Geräusch der Autos, die vorbeifahren, zum Geruch des Essens. Das bedeutet Selbstaufgabe. Wenn wir eine Woche lang in einem Sesshin meditieren, sollten wir es zehntausendmal tun: unsere Gedanken benennen, die Phantasien sehen, zur Wahrnehmung dessen, was ist, zurückkehren, auf das kleine Selbst verzichten um des wahren Selbst willen. Das Ergebnis: Das Leben kann einfach in uns einströmen.
Charlotte Joko Beck: Einfach Zen. 1993/2011, S. 287

Do, 6.5.2021

Als Text ein Video: Interview mit dem Abt des Zen-Klosters Eisenbuch zu den Themen Frühling- -Corona – Japan.
https://www.youtube.com/watch?v=o7qGO6CedWI

Do, 29.4.2021

Zenmeister Pater Willigis Jäger:
Ewig ist nicht die individuelle Form, sondern nur das Leben. Das Leben kennt keinen Wandel, keine Zeit und keinen Raum. Zeit und Raum entstehen durch die Formen, die kommen und gehen. Es gibt keinen Stillstand. Es gibt nur diesen zeitlosen Tanz, den das Leben in der Evolution vollzieht. Der Sinn des Tanzes liegt nicht darin, zu Ende zu kommen. Er liegt im Tanz selbst. Der Sinn des Lebens liegt darin, Augenblick für Augenblick zu leben.
(W. Jäger: In jedem Jetzt ist Ewigkeit. Hg: Christoph Quarch. Kösel München 2003. S. 80)

Do, 22.4.2021

Diesen Abend findet ein kurzes Online-Treffen (Zoom) statt. Dabei kann jede und jeder ein paar Minuten sprechen, dann wird ein Text vorgelesen werden.

Do, 15.4.2021

Zenmeister Pater Willigis Jäger:
Was wir wirklich sind, kennt den Tod nicht. Was wir wirklich sind, offenbart sich als Geburt und Tod. Wir drücken uns falsch aus. Wir sagen: „Ich bin geboren.“ Wir müssten sagen: „Gott ist als dieses Ich geboren und Gott stirbt als dieses Ich.“ Als Geborenwerden und Sterben, als Entstehen und Vergehen manifestiert sich Gott.

Do, 8.4.2021

Nakagawa Fumon Roshi, Abt von Daihizan Fumonji Eisenbuch:

Begriffe unserer Sprache produzieren unsere Denkweise, individuell und kollektiv. Unser Denken führt zu Meinungen, und daraus entstehendie Konflikte. Deshalb sollen wir uns schulen zum Erwachen, eben auch durch die Sprache und Denkweise.

Wir sind nur in einer interpretierten Welt, die wir selbst individuell und kollektiv erschaffen haben. „Rückwärts vorangehen“ (Dogen Zenji) heißt: zu sich selbst, zum Ursprung zurückkehren, über unsere Interpretation der Welt hinaus, über Raum und Zeit hinaus. Zazen ist die Rückkehr zur Vollkommenheit im Jetzt-Hier.
(Vortrag 3./4.Febr 2015)

Do, 1.4.2021

Liebe Mitübende, heute ist die Autorin der Donnerstags-Worte nicht eine Zen-Meisterin, sondern eine weise Frau des Cherokee-Volkes. Ihre Worte könnten auch in einem „Zen-Buch“ Platz finden. Sie treffen uns, die wir in einer Phase eines gewaltigen Umbruchs stehen, ins Herz.

„Nichts bleibt jemals ganz dasselbe; es kommt eine Zeit, in der wir neuen Leitlinien folgen, neue Gedanken denken und neue Dinge tun müssen. Es bedarf keines Übermenschen, aber eines Gläubigen – eines Arbeiters mit Ohren zum Hören und Augen zum Sehen, nicht nur körperlichen, sondern auch geistigen. Wir können nicht davon ausgehen, dass ein anderer Mensch in der Lage ist, die Dinge für uns zu entziffern. Die Wunder sind nicht samt und sonders in anderen Köpfen, anderen Händen, anderen Methoden. Es muss einen Ausbruch inneren Feuers geben, der eine Tür zu einem größeren Leben öffnet, zu mehr Gelassenheit. Wir sind niemals so blind, wie wir uns durch unsere kritischen Ansichten, unsere verhärteten Herzen, unser Versagen bei der Wahrnehmung zarter Dinge abkapseln. O Freund, wende dich ab von Mangel, Not und Schmerz. Ändere deine Sichtweise, und du wirst dein Leben ändern.“
(Joyce Sequichie Hifler: Die weisen Frauen der Cherokee. Im Original erschienen 1992, USA. S.101

Do, 25.3.2021

Nan-in, eine japanischer Meister der Meiji-Zeit, (1868-1912) empfing den Besuch eines Universitätsprofessors, der etwas über Zen erfahren wollte.
Nan-in servierte Tee. Er goss die Tasse seines Besuchers voll und hörte nicht mehr auf weiterzugießen. Der Professor beobachtete das Überlaufen, bis er nicht mehr an sich halten konnte. „Es ist übervoll. Mehr geht nicht hinein!“
„So wie diese Tasse“, sagte Nan-in, „sind auch Sie voll mit Ihren Meinungen und Spekulationen. Wie kann ich Ihnen Zen zeigen, bevor Sie Ihre Tasse geleert haben?“
(aus:Reps, P.:Ohne Worte – ohne Schweigen. !999, S. 21)

Do, 18.3.2021

Zenmeisterin Doris Zölls (Myo-en An):
Wach auf, sagt Zen, erfahre dein Denken, Fühlen und Handeln als leer und substanzlos. Nur so verlieren sie ihre Macht über uns.
Diese Wachheit will geübt sein. Sie ist zwar nicht eine Fähigkeit, die wir uns von außen her aneigenen müssten. Uns ist allen der Bodhisattvageist, der Geist des Erwachens, zu eigen. Bei den meisten von uns ist er jedoch verschüttet. Ihn freizulegen, bedarf der Disziplin, die sich als Durchhaltevermögen, Mut und Kraft zeigt.
(aus: Zölls, D.: Disziplin als Anfang – der Zen-Weg zur Liebe. S.7)

Do, 11.3.2021

Zenmeister Pater Willigis Jäger:
Der Sinn des Menschseins liegt nicht in der personalen Struktur, sondern in der Erfahrung und Identifikation mit dem Leben selbst, das diese Strukturen hervorbringt. Und das ist die überwältigende und nicht mitteilbare Erfahrung des Mystik des Ostens und des Westens: Nur eines kann „Ich“ sagen – das, was wir „Leben“ nennen, Gottheit, das Numinose, Shunyata, Wesensnatur.
(aus: Jäger, W.: in jedem Jetzt ist Ewigkeit. S. 39

Do, 4.3.2021

Ein Schüler von Suzuki Shunryu Roshi berichtet:
Kurz vor seinem Tod besuchte ich Roshi in seinem Zimmer. Er war im Bett, sehr schwach, seine Haut farblos. Er verbeugte sich, und ich tat dasselbe. Dann schaute er mich unverwandt an und sagte – nicht mit lauter, aber mit fester Stimme: „Trauere nicht um mich. Hab keine Angst. Ich weiß, wer ich bin.“
(aus: Suzuki, Shunryu: Eine Ecke dieser Welt erhellen. S. 138)

Do 25.2.2021

Dogen Zenji in „Shobogenzo Zuimonki, V 15:
„Übende! Seid ihr einmal mit guten Menschen vertraut geworden und habt gute Umstände angetroffen, so solltet ihr diesselben Dinge immer wieder anhören und anschauen, selbst wenn ihr keinen Bodhi-Geist habt. Glaubt nicht, ihr bräuchtet nicht zuhören, weil ihr das Gleiche schon einmal gehört habt. Habt ihr einmal Bodhi-Geist erweckt, so wird euer Geist von Mal zu Mal feiner werden, und ihr werdet immer ernsthafter, selbst wenn ihr dasselbe hört.“

Do, 18.2.2921

Nakagawa Roshi in einem Vortrag:
„Es gibt keine Wartezeit!“

Von mir:
– Was meint Roshi mit „Wartezeit“?
– Was tun wir, wenn wir warten?
– Was sollen wir tun, auf dass unsere Wartezeit keine Wartezeit ist?
– Warten wir auf das Ende des Lockdowns?

Do, 11.2.2021

Nakagawa Roshi, Eisenbuch:

Das, was wir als Interpretationen im Kopf haben, ist nicht wahr. Sie dienen nur der Orientierung im praktischen Leben, als Werkzeug. Die wahre Welt liegt noch vor unserer mit dem Kopf interpretierten Welt.
Wir sind Gefangene in unserem Leben der Interpretationen. Den Schnee da draußen sehen wir nur als „Schnee“. Wir sollen ihn so sehen wie die Kinder! Wenn sie im Schnee spielen und herumtollen! Diese Begenung mit dem Schnee, das ist die ganze Welt.

Dazu eine Frage (von mir): Wie sehen wir die „Pandemie“? Lasst uns darüber meditieren im Zazen.

Do, 4.2.2021

Fumon Nakagawa Roshi, Abt des Zenklosters Eisenbuch, am 2.2.2021:

Bei der Corona-Pandemie lasst uns reflektieren, wie weit wir Menschen bis heute gekommen sind. Die Geschichte der großen Pandemien, Pest, Pocken, Cholera, Influenza usw. In Asien, Europa, Amerika, Afrika: Lasst uns nachdenken darüber, was wir aus dieser Geschichte für heute lernen sollen.

1 Wir Menschen können uns nie gegen die Natur stellen, können nie über der Natur stehen. Wir müssen verstehen, dass wir Menschen völlig abhängig von der Natur sind, dass wir ein Teil von ihr sind.  

2 Wir sollen lernen, Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüchen demütig zu begegnen. Wenn wir zurück auf die Zeit schauen vor fünfzig Jahren, hundert Jahren, tausend Jahren, ein paar tausend Jahren, da gab es unzählige Naturkatastrophen. Waren es aber Katastrophen? Oder einfach normale Naturereignisse, die wir Menschen als Katastrophen schwer erleben müssen?

3 Wir meditieren hin zu der Tatsache, dass wir Menschen in den letzten paar hundert Jahren selber dazu neue Katastrophen in dieser Welt erzeugt haben: Klimawandel, Umweltprobleme, also Probleme mit dem Wasser, der Erde, der Luft.
Wir Menschen haben das Gleichgewicht der Natur zerstört. Für pflanzliche und tierische Lebewesen auf der Erde sind wir Menschen eine gewaltige Katastrophe in dieser Natur-Welt der Erde.
Lasst uns meditieren und reflektieren über diese zerstörerische Tat von uns Menschen. (….)

Do, 28.1.2021

Einmal sagte Suzuki Roshi: „Die Hölle ist keine Strafe, sondern eine Übung.“
(Chadwick, David (Hg.): Shunryu Suzuki – eine Ecke dieser Welt erhellen. S. 44)

Do, 21.1.2021

Zen-Meisterin Doris Zölls:
Auch wenn das Außen instabil ist, wir uns auf nichts stützen können, heißt das nicht, dass wir das Außen, die unendlichen Formen dieses Lebens, nicht ernst nehmen sollten. Dogen Zenji verweist gerade auf die Dinge im Außen und ruft uns auf, uns von ihnen erwecken zu lassen. Er sagt:

„Zen zu studieren heißt, sich selbst zu studieren. Sich selbst zu studieren heißt, sich selbst zu vergessen. Sich selbst zu vergessen heißt, sich von allen Dingen erwecken zu lassen.“

Auf dem spirituellen Weg lauert die Gefahr, die Meditation nur als innerlichen Prozess zu betrachten, sich auf sein Inneres auszurichten, in ihr zu sich selbst zu kommen und zu glauben, unser Innen sei der einzige Ort, an dem man sein Heil finden könne. Die Welt draußen wird als nicht wirklich und mit der Zeit sogar als abschreckend zurückgewiesen. Mit einer solchen Haltung zieht der spirituelle Weg uns aus der Welt und von den Menschen weg. Das Seelenheil wird nur noch in sich selbst gesucht, und wenn in der Welt, dann nur unter Gleichgesinnten.

Mit einer solchen Einstellung hat Zen nichts zu tun. (…) Zen sieht das Außen als das Spiegelbild des Innen und umgekehrt.- Es gibt keinen Bereich mehr, wo ich mir nicht selbst begegnen könnte.
Doris Zölls: Disziplin als Anfang. 2018, S. 83 f.

Passt dieser Text nicht zur gegenwärtigen „Corona-Zeit“?

Do, 14.1.2021

Als ich noch ein kleiner Handlanger im Eiheiji [Soto-Zen-Hauptkloster in Japan] war, saß ich einmal alleine in der halbdunklen Halle in Zazen. Als die alte Küchenfrau, die mir gewöhnlich bei der Arbeit übel zusetzte, das zufällig sah, warf sie sich unwillkürlich nieder und verbeugte sich vor mir, so, als sei ich der Buddha persönlich. Diese Erfahrung hat mein Leben bestimmt. Hier habe ich gemerkt, dass ich Zazen mein ganzes Leben lang üben muss: „in Zazen steckt etwas, das selbst diese Alte dazu zwingt, sich niederzuwerfen…Ich weiß nicht warum, aber Zazen ist wertvoller, als ich es mir überhaupt vorstellen kann“ Auf diese Weise habe ich mein ganzes Leben für den Weg des Zazen gelebt. Ich bin dankbar dafür, das Kesa [Mönchsgewand] zu tragen und in Zazen sitzen zu können.

Sawaki Kodo Rosh (1880 – 1965)i: Zen ist die größte Lüge aller Zeiten. Angkor-Verlag 2005. S.11

Do, 7.1.2021

„Immer wenn ich hochmütig werde und glaube, aus mir selbst heraus leben zu können, denke ich an dieses Gedicht eines fünfjährigen Kindes:
Ich denke: Zunge sprich!
und schon bewegt sie sich.
Was hat die zunge in Bewegung gesetzt,
als ich es ihr befahl?

Was meine Zunge in Bewegung versetzt, ist eine Kraft, die ununterbrochen wirkt, auch wenn ich schlafe. Sie bringt die Blumen zum Blühen und die Pferde zum Wiehern. Es ist Buddhas Kraft.“

Aoyama, Shundo (Zen-Meisterin): Pflaumenblüten im Schnee. 1995, S. 49 f.

„Buddhas Kraft“ ist eine Metapher. Was ist sie?

Do, 31.12.2020

Liebe Mitübende,
der folgende Text könnte ein Leitfaden für das neue Jahr sein! Ich wünsche allen gute Tage im neuen Jahr in Frieden, Gesundheit und Freude.

Ursprünglich gibt es im menschlichen Geist weder Gut noch Schlecht. Gut und Schlecht hängen von den Umständen ab. Haben wir beispielsweise den Bodhi-Geist erweckt und kommen an einen Berg oder in einen Wald, so halten wir das Leben in den Bergen für gut und das in der Gesellschaft von Menschen für schlecht. Ist aber später unser Herz einsam, so verlassen wir den Berg wieder und halten das Leben dort für schlecht. Das liegt daran, dass der Geist keine festen Eigenschaften hat; er ändert sich je nach den Umständen. Trefft ihr deshalb auf gute Umstände, so wird euer Geist gut; trefft ihr auf schlechte Umstände, so wird euer Geist schlecht. Haltet euren Geist nicht für von Natur aus schlecht. Folgt einfach den guten Umständen.

Eihei Dogen Zenji, 1200 – 1253: Shobogenzo Zuimonki, V 14

Do, 24,12,2020

Liebe Mitübende, unser Donnerstags-Zazen fällt auf den Heiligen Abend. Im Kalenderbuch „In jedem Jetzt ist Ewigkeit“ des Benediktiner-Mönchs und Zenmeisters Pater Willigis Jäger + können wir am 24.12. lesen:

„Gott wird in der Stille geboren – in der Stille der Nacht, in der Wüste, in der Einsamkeit, in den fünf Minuten Stille, die wir uns gönnen. Dort spricht er zu uns. Nur dort kann er zu uns sprechen. Wie können wir ihn im Lärm unserer Gedanken, Termine und Sorgen sonst hören?“

Fragen wir uns:
– Was meint Pater Willigis , wenn er von „Gott“ spricht?
– Warum brauchen wir die Stille, um Gott zu hören? Was ist Stille?
– Was hören wir dann in dieser Stille?

Mögen wir Weihnachten in der Stille begehen können, auch wenn es manchmal laut werden sollte. Vielleicht ist es möglich Zazen zu machen, z.B. mit mir von 06:00 – 06:45 Uhr?

FROHE WEIHNACHTEN!

Do, 17.12. 2020

Im heutigen längeren Text möchte ich Zen-Meisterin Doris Myo-en-An Zölls sprechen lassen:

„Sitzen wir in Zazen und versuchen wir, uns gut zu konzentrieren, merken wir, wie wir immer wieder abschweifen. Wir sammeln uns wieder und versuchen, die Aufmerksamkeit auf den Atem zu lenken, und erleben, wie wir wieder abgelenkt werden. Immer und immer wieder gehen wir wieder zurück auf unseren Fokus. Das ist die Übung. Auch wenn sie uns noch so unzulänglich erscheint, ist das die Übung, immer wieder zurückkommen in den Augenblick, nichts mehr zu wollen, nichts mehr zu wünschen. (…) Wir können uns nicht befehlen, ab jetzt alle Wünsche einfach aufzugeben. Das funktioniert nicht, denn dieses Aufgeben ist eine existenzielle Sache. Nichts mehr zu wollen heißt nicht, ich will nichts mehr wollen. Da ist immer noch ein Wollen da, nämlich ein Nicht-Wollen. So funktioniert das nicht; nichts mehr zu wollen ist ein Erleben, in dem alles aufgegeben wird, da mein Ich nicht mehr die Kraft hat, etwas zu wollen. Aber das ist die Schwierigkeit, denn wer möchte schon freiwillig am Ende sein. Wir möchten nicht mit leeren Händen dastehen. Wir wollen etwas schaffen, etwas erreichen und wenn es das Nicht-Erreichen sein soll. Alles aufzugeben fühlt sich an, wie total zu versagen, nichts mehr zu können. Kein Ich kann das machen, es stellt sich ein.

Als ich das erste Mal Zazen praktizierte, war das für mich eine Katastrophe. An der weißen Wand, vor der ich saß, tauchte alles auf, wo mein Ich versagt hat. Als ich später wieder in Zazen saß, war mein ganzes Ansinnen darauf gerichtet, dass diese Bilder nicht mehr aufstiegen. Ich konzentrierte mich so sehr, nichts aufkommen zu lassen. Diese scharfe Aufmerksamkeit machte alle Gedanken zunichte und ich konnte die Einheit von allem erleben. Dieses Erleben ist kein Wunderwerk, es ist die Übung der Aufmerksamkeit, die lange genug gehalten wird und sich dann in ein Gewahrsein verwandelt.

Damals war es für mich existenziell, mich so zu konzentrieren. Ich wollte nicht mehr diese Sicht meiner selbst, meine Schattenseiten erleben. Das war der Ansporn. Ich habe erlebt: Können wir die Konzentration halten, eröffnet sich auf einmal eine Welt, zu der wir sonst keinen Zugang haben.

Haben wir einen Freiraum, schieben sich viele Widerstände zwischen die Übung und uns. Mit einem gewissen Druck ist es fast leichter.

Einen solchen Druck aufzubauen, unter dem wir weder ein noch aus können, ist eigentlich ein Sesshin. Es hat eine enge Struktur, nicht, weil wir es nicht lockerer machen könnten, doch es gäbe nicht den Druck, der uns in die se Konzentration zwingt, dabeizubleiben. Ein Sesshin ist so eng gesetzt, dass sehr schnell die Widerstände hochkommen. Sie kennenzulernen, sie durchzusitzen und auszusitzen, das ist unsere Übung.“
(aus: Doris Zölls: Mumonkan. 2019, S. 228 f.)

Do, 10.12.2020

Selbst wenn du vernünftig redest und eine andere Person etwas Unvernünftiges sagt, ist es falsch, sie durch logische Argumentation zu widerlegen. Andererseits ist es auch nicht gut, vorschnell anderen rechtzugeben, wenn du glaubst, deine eigene Meinung sei vernünftig.

Widerlege also die andere Person nicht, ziehe dich aber auch nicht zurück oder gib ihr recht. Das Beste ist, die Sache sich selbst zu überlassen und die Diskussion zu beenden. Handelst du, als hättest du gar nichts gehört und vergisst die Sache, wird der andere sie ebenfalls vergessen und sich nicht ärgern. Das ist sehr wichtig.“
(aus: Dogen Zenji: Shobogenzo Zuimonki, Kap I/10

Ist diese Ansicht Dogens heute noch aktuell? Ist sie heilsam im Hinblick auf die fortschreitende Spaltung unserer Gesellschaft – politisch, wirtschaftlich, sozial -oder nicht?

Do, 3.12.2020

Ab und zu betonte Suzuki Roshi: „Im Lotos-Sutra sagt der Buddha, erhelle eine Ecke dieser Welt – nicht die ganze Welt. Du musst nur deutlich machen, wo du stehst,“

Aus: Suzuki, Shunryu: Eine Ecke dieser Welt erhellen. 2004, S. 125

DO, 26.November 2020

…Um eine solche Entschlossenheit aufzubringen, muss man in der Tiefe des Herzens die Vergänglichkeit der Welt bedenken. Dabei handelt es sich nicht um eine Meditation, in der irgendeine Kontemplationsmethode benutzt wird. Es geht nicht darum, in unserem Kopf etwas zu erfinden, was in Wirklichkeit gar nicht existiert. Die Vergänglichkeit ist wahrhaftig die Wirklichkeit, die sich haargenau vor unseren Augen abspielt. Wir brauchen keine Sätze und kein Prinzip aus den heiligen Schriften, die in der Welt als sehr wichtig betrachtet werden, als Beweis dafür abzuwarten. Morgens geboren, abends gestorben, jemanden, den wir gestern sahen, gibt es heute nicht mehr – das sind die Tatsachen, die wir mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Ohren hören.

Aus: Dogen Zenji (1200 – 1253): Shobogenzo Zuimonki, Kap. II 14 [dt.Übers. von Nakagawa Fumon Roshi]