Neue Beiträge unter „Texte“

Wie meditieren?

Warum meditieren?

Mein Leserbrief in „Buddhismus Aktuell 4/2020“

Kurse im Zen-Zentrum Eisenbuch

s. Link auf dieser Webseite, auf eisenbuch.de finden sich Beschreibungen zu den verschiedenen Kursen und Veranstaltungen

  • Bis auf Weiteres müssen alle Kurse abgesagt werden

Texte zum Abend-Zazen in Ichi-An

Do, 14.1.2021

Als ich noch ein kleiner Handlanger im Eiheiji [Soto-Zen-Hauptkloster in Japan] war, saß ich einmal alleine in der halbdunklen Halle in Zazen. Als die alte Küchenfrau, die mir gewöhnlich bei der Arbeit übel zusetzte, das zufällig sah, warf sie sich unwillkürlich nieder und verbeugte sich vor mir, so, als sei ich der Buddha persönlich. Diese Erfahrung hat mein Leben bestimmt. Hier habe ich gemerkt, dass ich Zazen mein ganzes Leben lang üben muss: „in Zazen steckt etwas, das selbst diese Alte dazu zwingt, sich niederzuwerfen…Ich weiß nicht warum, aber Zazen ist wertvoller, als ich es mir überhaupt vorstellen kann“ Auf diese Weise habe ich mein ganzes Leben für den Weg des Zazen gelebt. Ich bin dankbar dafür, das Kesa [Mönchsgewand] zu tragen und in Zazen sitzen zu können.

Sawaki Kodo Rosh (1880 – 1965)i: Zen ist die größte Lüge aller Zeiten. Angkor-Verlag 2005. S.11

Do, 7.1.2021

„Immer wenn ich hochmütig werde und glaube, aus mir selbst heraus leben zu können, denke ich an dieses Gedicht eines fünfjährigen Kindes:
Ich denke: Zunge sprich!
und schon bewegt sie sich.
Was hat die zunge in Bewegung gesetzt,
als ich es ihr befahl?

Was meine Zunge in Bewegung versetzt, ist eine Kraft, die ununterbrochen wirkt, auch wenn ich schlafe. Sie bringt die Blumen zum Blühen und die Pferde zum Wiehern. Es ist Buddhas Kraft.“

Aoyama, Shundo (Zen-Meisterin): Pflaumenblüten im Schnee. 1995, S. 49 f.

„Buddhas Kraft“ ist eine Metapher. Was ist sie?

Do, 31.12.2020

Liebe Mitübende,
der folgende Text könnte ein Leitfaden für das neue Jahr sein! Ich wünsche allen gute Tage im neuen Jahr in Frieden, Gesundheit und Freude.

Ursprünglich gibt es im menschlichen Geist weder Gut noch Schlecht. Gut und Schlecht hängen von den Umständen ab. Haben wir beispielsweise den Bodhi-Geist erweckt und kommen an einen Berg oder in einen Wald, so halten wir das Leben in den Bergen für gut und das in der Gesellschaft von Menschen für schlecht. Ist aber später unser Herz einsam, so verlassen wir den Berg wieder und halten das Leben dort für schlecht. Das liegt daran, dass der Geist keine festen Eigenschaften hat; er ändert sich je nach den Umständen. Trefft ihr deshalb auf gute Umstände, so wird euer Geist gut; trefft ihr auf schlechte Umstände, so wird euer Geist schlecht. Haltet euren Geist nicht für von Natur aus schlecht. Folgt einfach den guten Umständen.

Eihei Dogen Zenji, 1200 – 1253: Shobogenzo Zuimonki, V 14

Do, 24,12,2020

Liebe Mitübende, unser Donnerstags-Zazen fällt auf den Heiligen Abend. Im Kalenderbuch „In jedem Jetzt ist Ewigkeit“ des Benediktiner-Mönchs und Zenmeisters Pater Willigis Jäger + können wir am 24.12. lesen:

„Gott wird in der Stille geboren – in der Stille der Nacht, in der Wüste, in der Einsamkeit, in den fünf Minuten Stille, die wir uns gönnen. Dort spricht er zu uns. Nur dort kann er zu uns sprechen. Wie können wir ihn im Lärm unserer Gedanken, Termine und Sorgen sonst hören?“

Fragen wir uns:
– Was meint Pater Willigis , wenn er von „Gott“ spricht?
– Warum brauchen wir die Stille, um Gott zu hören? Was ist Stille?
– Was hören wir dann in dieser Stille?

Mögen wir Weihnachten in der Stille begehen können, auch wenn es manchmal laut werden sollte. Vielleicht ist es möglich Zazen zu machen, z.B. mit mir von 06:00 – 06:45 Uhr?

FROHE WEIHNACHTEN!

Do, 17.12. 2020

Im heutigen längeren Text möchte ich Zen-Meisterin Doris Myo-en-An Zölls sprechen lassen:

„Sitzen wir in Zazen und versuchen wir, uns gut zu konzentrieren, merken wir, wie wir immer wieder abschweifen. Wir sammeln uns wieder und versuchen, die Aufmerksamkeit auf den Atem zu lenken, und erleben, wie wir wieder abgelenkt werden. Immer und immer wieder gehen wir wieder zurück auf unseren Fokus. Das ist die Übung. Auch wenn sie uns noch so unzulänglich erscheint, ist das die Übung, immer wieder zurückkommen in den Augenblick, nichts mehr zu wollen, nichts mehr zu wünschen. (…) Wir können uns nicht befehlen, ab jetzt alle Wünsche einfach aufzugeben. Das funktioniert nicht, denn dieses Aufgeben ist eine existenzielle Sache. Nichts mehr zu wollen heißt nicht, ich will nichts mehr wollen. Da ist immer noch ein Wollen da, nämlich ein Nicht-Wollen. So funktioniert das nicht; nichts mehr zu wollen ist ein Erleben, in dem alles aufgegeben wird, da mein Ich nicht mehr die Kraft hat, etwas zu wollen. Aber das ist die Schwierigkeit, denn wer möchte schon freiwillig am Ende sein. Wir möchten nicht mit leeren Händen dastehen. Wir wollen etwas schaffen, etwas erreichen und wenn es das Nicht-Erreichen sein soll. Alles aufzugeben fühlt sich an, wie total zu versagen, nichts mehr zu können. Kein Ich kann das machen, es stellt sich ein.

Als ich das erste Mal Zazen praktizierte, war das für mich eine Katastrophe. An der weißen Wand, vor der ich saß, tauchte alles auf, wo mein Ich versagt hat. Als ich später wieder in Zazen saß, war mein ganzes Ansinnen darauf gerichtet, dass diese Bilder nicht mehr aufstiegen. Ich konzentrierte mich so sehr, nichts aufkommen zu lassen. Diese scharfe Aufmerksamkeit machte alle Gedanken zunichte und ich konnte die Einheit von allem erleben. Dieses Erleben ist kein Wunderwerk, es ist die Übung der Aufmerksamkeit, die lange genug gehalten wird und sich dann in ein Gewahrsein verwandelt.

Damals war es für mich existenziell, mich so zu konzentrieren. Ich wollte nicht mehr diese Sicht meiner selbst, meine Schattenseiten erleben. Das war der Ansporn. Ich habe erlebt: Können wir die Konzentration halten, eröffnet sich auf einmal eine Welt, zu der wir sonst keinen Zugang haben.

Haben wir einen Freiraum, schieben sich viele Widerstände zwischen die Übung und uns. Mit einem gewissen Druck ist es fast leichter.

Einen solchen Druck aufzubauen, unter dem wir weder ein noch aus können, ist eigentlich ein Sesshin. Es hat eine enge Struktur, nicht, weil wir es nicht lockerer machen könnten, doch es gäbe nicht den Druck, der uns in die se Konzentration zwingt, dabeizubleiben. Ein Sesshin ist so eng gesetzt, dass sehr schnell die Widerstände hochkommen. Sie kennenzulernen, sie durchzusitzen und auszusitzen, das ist unsere Übung.“
(aus: Doris Zölls: Mumonkan. 2019, S. 228 f.)

Do, 10.12.2020

Selbst wenn du vernünftig redest und eine andere Person etwas Unvernünftiges sagt, ist es falsch, sie durch logische Argumentation zu widerlegen. Andererseits ist es auch nicht gut, vorschnell anderen rechtzugeben, wenn du glaubst, deine eigene Meinung sei vernünftig.

Widerlege also die andere Person nicht, ziehe dich aber auch nicht zurück oder gib ihr recht. Das Beste ist, die Sache sich selbst zu überlassen und die Diskussion zu beenden. Handelst du, als hättest du gar nichts gehört und vergisst die Sache, wird der andere sie ebenfalls vergessen und sich nicht ärgern. Das ist sehr wichtig.“
(aus: Dogen Zenji: Shobogenzo Zuimonki, Kap I/10

Ist diese Ansicht Dogens heute noch aktuell? Ist sie heilsam im Hinblick auf die fortschreitende Spaltung unserer Gesellschaft – politisch, wirtschaftlich, sozial -oder nicht?

Do, 3.12.2020

Ab und zu betonte Suzuki Roshi: „Im Lotos-Sutra sagt der Buddha, erhelle eine Ecke dieser Welt – nicht die ganze Welt. Du musst nur deutlich machen, wo du stehst,“

Aus: Suzuki, Shunryu: Eine Ecke dieser Welt erhellen. 2004, S. 125

DO, 26.November 2020

…Um eine solche Entschlossenheit aufzubringen, muss man in der Tiefe des Herzens die Vergänglichkeit der Welt bedenken. Dabei handelt es sich nicht um eine Meditation, in der irgendeine Kontemplationsmethode benutzt wird. Es geht nicht darum, in unserem Kopf etwas zu erfinden, was in Wirklichkeit gar nicht existiert. Die Vergänglichkeit ist wahrhaftig die Wirklichkeit, die sich haargenau vor unseren Augen abspielt. Wir brauchen keine Sätze und kein Prinzip aus den heiligen Schriften, die in der Welt als sehr wichtig betrachtet werden, als Beweis dafür abzuwarten. Morgens geboren, abends gestorben, jemanden, den wir gestern sahen, gibt es heute nicht mehr – das sind die Tatsachen, die wir mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Ohren hören.

Aus: Dogen Zenji (1200 – 1253): Shobogenzo Zuimonki, Kap. II 14 [dt.Übers. von Nakagawa Fumon Roshi]